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Das Wagnis LEBEN




Ich sitze unter meinem Kirschbaum und sinniere so vor mich hin. Meine Gedanken hüpfen von einem Thema zum anderen. Ich suche nach Antworten. Suche in mir und bohre und bohre. Eigentlich ist mir davon schon leicht übel. Ich will Lösungen und Ergebnisse. Es muss doch etwas geben, was ich ändern kann. Doch was will ich denn ändern? Mich, die Menschen und Situationen um mich herum? Nein, nicht wirklich! Doch was macht mich so unruhig?

Und plötzlich ist sie da, diese Erkenntnis. Es ist die Sehnsucht nach Leben!

Aha, und was mache ich jetzt damit. Meine innere Stimme sagt ruhig und dennoch beharrlich – Lebe! Tue ich doch - ist meine Antwort. Bist du dir sicher? sagt die leise Stimme zu mir. Ich grüble. Ja sicher, denke ich. Das war doch mein angestrebtes Ziel nach dem Tod von Andi. Lebe - und jetzt erst recht!


Aha, sagt die leise Stimme in mir, die immer lauter und kraftvoller wird. Was meinst du mit aha, ist meine Gegenfrage.  Mit aha meine ich, bist du dir sicher, dass du schon lebst? antwortet sie. Das gibt mir jetzt zu denken!

Mir fällt ein, dass ich in meiner Trauerzeit einen Text über den Tod und das Leben geschrieben habe. Das Gefühl, dass oft die Konfrontation mit dem Tod notwendig ist, um die Wirklichkeit des Lebens zu verstehen und zu leben. Das muss ich jetzt mal kurz wirken lassen.


Was ist denn die Wirklichkeit des Lebens, frage ich mich. Was ist meine Wirklichkeit? Eines ist mir sehr bewusst: Ich war mir noch nie so nah wie jetzt. Und ich möchte es nie mehr missen, mich selbst so zu spüren und zu verstehen.

Also hat der Tod doch meine Einstellung zum Leben verändert? Die Stimme in mir meint NEIN. Deine Wirklichkeit war immer schon da, tief in dir verankert. Der Tod hat dich in diese Tiefe schauen lassen und dir die Angst vor dir selber vor Augen geführt. Wieder ein aha von meiner Seite. Stimmt schon, die Angst vor mir selbst und dem was ich bin, war immer groß. Alles auf Abwehr, immer dagegen ankämpfen, lieber vor mir selber wegrennen als mich selbst anzuerkennen, ist meine Erkenntnis.  Warum? ist die Frage meiner inneren Stimme. Ja, damit beschäftige ich mich schon sehr lange und immer wieder. Was hindert dich daran mein Leben zu leben. Mir fällt sofort ein, es sollte heißen das Leben zu lieben. Meine innere Stimme lächelt vor sich hin und sagt leise: Gibt es einen Grund es nicht zu lieben? Hm, natürlich gibt es einen Grund. Wer liebt ist verletzlich, wer lebt ist verwundbar! Dieser Meinung war ich zumindest einen Großteil meines Lebens. So, so, sagt die Stimme leise. Und was ist jetzt? Bist du immer noch verwundbar und verletzlich? Ich lasse die Worte wirken.


Ja, natürlich bin ich verwundbar und verletzlich, doch ich habe so viel geschafft in meinem Leben. Tiefe Narben trage ich in mir. Doch jede Narbe ist ein Zeichen von Stärke und Mut. Denn ich habe es gewagt zu leben. Die Begegnung mit dem Tod hat mich zu meiner Verwundbarkeit geführt - aber mir  auch bewusst gemacht: Schau du lebst noch immer, du hast es geschafft!

Ich bin wieder ganz leise und horche in mich hinein. Das heißt, ich habe nie aufgehört zu leben. Ich habe mich nie wirklich vom Leben abgewendet! Nein, meine Liebe, sagt die Stimme in mir. Du hast nur einen langen Weg gebraucht, um es zu erkennen. Du bist das Wagnis Leben vom ersten Moment an eingegangen. Du hast nur vergessen, dass das Leben deine Wirklichkeit ist. Eine Wirklichkeit, an der du gewachsen und stark geworden bist. Eine Wirklichkeit, in der du immer wieder Mut und Kraft bewiesen hast. Eine Wirklichkeit, in der du dich immer wieder hemmungslos der Liebe hingegen hast. 

Ein Lächeln entsteht in meinem Gesicht! Das heißt ich muss nur meiner Wirklichkeit in die Augen schauen und mit meinem Leben und meiner Liebe weiter gehen. Ja, sagt die Stimme leise.


Ich liebe sie! Diese Stimme in mir, die mich mein ganzes Leben lang schon führt, und der ich bedingungslos vertrauen kann.


Und was ist denn nun meine Wirklichkeit?


MENSCH sein - mit all meinen Ängsten, Emotionen, Gefühlen, meinem Verstand, meinem Ego, meinem Chaos, meiner Strukturliebe - mit allem was ich bin, denn das macht mich aus - das bin ich! Mein Leben und meine Liebe!

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